100 Jahre Elektroschifffahrt |
Die Elektroschifffahrt am Königssee 1909 – 2009: | |
Sind für den Königssee 100 Jahre nicht mehr als ein Augenzwinkern im Laufe seiner Existenz, hat sich für die Menschen an seinen Ufern im gleichen Zeitraum viel getan. 100 Jahre sind es, um genau zu sein. 100 Jahre, in denen sich der Königssee langsam, aber unaufhaltsam zu einem der beliebtesten Ausflugsziele Deutschlands entwickelte.
Bis zum Beginn der Motorschifffahrt wurden die Gäste ausschließlich mit Ruderbooten über den See befördert. Schon 1873 wurde erstmals der Ruf nach einem Dampfschiff laut. Der König wies entsprechende Anträge immer wieder zurück. Doch die Zahl der Schifffahrtsgäste wuchs von Jahr zu Jahr. Und 1908 wurden mit 57 Ruderbooten bereits 78.000 Gäste befördert.
Wegbereiter: Die Lokalbahn von Berchtesgaden nach Königssee. Initialzündung für die Motorbootära auf dem Königssee gab die Königsseebahn. 1909 eröffnet brachten ihre Wagen immer mehr Ausflügler an den Königssee. Der König gab nach. Im Januar 1909 bestellte der Obersthofmeisterstab (heute: Bayerische Schlösserverwaltung, München) vier Boote: ein Elektroboot, zwei mit Petroleum befeuerte Dampfmaschinenboote und ein kleines Elektroboot für Hofdienstzwecke. Die Versorgung der Königsseebahn mit Gleichstrom wurde über eine eigene Speiseleitung von Gartenau bis Berchtesgaden gewährleistet. Während in den Nachtstunden der Bootsverkehr ruhte, konnte die überschüssige Energie zum Aufladen der Bootsbatterien verwendet werden. Ein praktischer Nebeneffekt und wichtige Voraussetzung für die Etablierung der Elektroschifffahrt … Anfang und Aufschwung: Das Zeitalter der Motorbootschifffahrt beginnt. Der 15. Juli 1909 gilt mit der Indienstnahme des von Siemens-Schuckert gelieferten Elektromotorboots „Accumulator“ (1920 auf „St. Bartholomä“ umgetauft) als Geburtstag der Elektromotorschifffahrt auf dem Königssee. Endlich konnten die herbeiströmenden Gäste ohne lange Wartezeiten über den See gebracht werden, die Fahrzeiten hatten sich mehr als halbiert. Der Fremdenverkehr erlebte einen nie dagewesenen Aufschwung. Und die völlig geräuschlos dahingleitenden Boote waren schon bald nicht mehr aus dem Erscheinungsbild des Sees wegzudenken. 1913 verfügte die Schiffsflotte bereits über 12 Boote. Nachdem das Pachtverhältnis mit dem Schiffsmeister Moderegger 1934 endete, übernahm der Staat die Motorschifffahrt bis zur Privatisierung der Staatlichen Seenschifffahrt in Eigenregie. Seit 1997 ist die Schifffahrt Königssee ein Betriebsteil der Bayerischen Seenschifffahrt GmbH. Gesellschafter ist zu 100 % der Freistaat Bayern.
Heute: Großer Arbeitgeber und moderner Betrieb. 17 baugleiche Elektromotorboote (EMB) bilden heute die Königssee-Schiffsflotte. Sie sind etwa 20 m lang, 3,50 m breit und für ca. 93 Personen zugelassen. Das EMB RAMSAU steht für 25 Personen zur Verfügung. Ihre Energie beziehen die Boote aus Batteriezellen und sie erreichen eine durchschnittliche Geschwindigkeit von 12 km/h. Mit etwa 80 Mitarbeitern ist die Schifffahrt Königssee einer der größeren Arbeitgeber der Gemeinde Schönau. Bootsbauer, Schreiner, Zimmerer, Sattler, Maler, Elektriker und Schlosser verrichten im Sommer Fahrdienst, im Winter setzen sie in der hauseigenen Werft die Boote instand bzw. bauen völlig neue. 2003 wurde das EMB „BERCHTESGADEN“ als fünfter und bis jetzt letzter Neubau in Dienst gestellt.
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